Sächsischer Offener Onlinekurs – ist das so schwer?

von dessert

Seit dem Beginn dieses Kurses (also des SOOK ;)) frage ich mich, wieso in den digitalen Medien und entsprechend auch im Kurs eigentlich die Notwendigkeit besteht, alles und jedes mit englischen Begriffen zu bezeichnen. Die Franzosen bekommen es zumindest teilweise noch hin, ihre Sprache zu bewahren, wenn sie das Gesichtsbuch analog übersetzt „le livre des visages“ nennen (ebenso wie ich das hier in meinem Blog durchzusetzen versuche). Das jedoch ist ja schon ein großer Eingriff zu nennen, mir stellen sich hier viel basalere Fragen: Warum wird ein Wort wie „Sächsisch“ plötzlich übersetzt? Es ist reiner Zufall, dass es für „Sächsisch“ (geschichtlich bedingt) überhaupt ein englisches Wort gibt – „Siegen“ muss sich dann mit schnödem Deutsch begnügen, und wir können wohl offenbar von Glück reden, dass wir keine Brandenburger oder gar Württemberger sind, denn da scheitert das Englische genauso. Was bringt das, und wem? Das würde mich mal interessieren.

Dass die digitalen Medien ausschließlich über englische Begriffe verfügen, liegt offenbar an der Faulheit bzw. dem mangelnden Erfindungsgeist der deutschen Sprecher, so übernimmt man eben lieber Begriffe statt neue in der eigenen Sprache zu bilden. Das ist aber kritisch zu betrachten, denn selbst unter uns im Kurs, die wir uns bewusst und aktiv mit dem Thema auseinandersetzen, waren am Rande der analogen Einführungsveranstaltung kritische Stimmen zu hören: Social Media, Hashtag, Sharing… Blogautorin Austrellia scheint schon fast zu resignieren: „oh man, alles beruht auf der englischen Sprache“ – Aber warum eigentlich? Was hindert uns daran, von z. B. „Sozialen Medien“ zu sprechen, sodass auch Uneingeweihte eine Chance haben, sich ein Bild von dem zu machen, was gemeint ist? Warum nennen wir den „Hashtag“ nicht einfach „Doppelkreuzbezeichnung“, sodass sich der Begriff von selbst erklärt? Zugegeben, das ist etwas länger, aber dafür wissen garantiert weit mehr Menschen etwas mit „Doppelkreuz“ anzufangen als mit „hash“. „Sharing“ heißt nichts anderes als „teilen“ oder „gemeinsam benutzen“: Meine Großmutter würde es sofort verstehen, wenn ich ihr erklärte, dass sich mehrere Leute ein Auto teilen („gemeinsame Autonutzung“ betreiben), oder ich wähle eben den anderen Weg und hämmere der armen Seele unbarmherzig das Unwort Carsharing ein, nur um es doch wieder erklären zu müssen.

Wirklich nicht mehr verstehen kann ich diese krampfhafte Anglizierungswut bei Wörtern, die ein semantisch gleiches deutsches Wort übersetzen: Warum spricht man denn von einem „Network“, wenn die deutsche Entsprechung „Netzwerk“ nicht nur dasselbe Wort darstellt, sondern auch genau dieselbe Bedeutung hat? Ähnlich ist es bei den bereits aufgeführten „Social Media“ – wo ist da der Unterschied, bzw. worin besteht der Nutzen einer englischen Bezeichnung?

Ich sehe hierin eine riesige Schwäche der digitalen Medien, die unbedingt thematisiert werden sollte, denn die fremden Begriffen vermehren nur noch die ohnehin großen Unsicherheiten und Berührungsängste mit den neuen Medien – ich glaube, wenn wir es schaffen wollen, den Menschen Nutzen und Vorteile digitaler Medien nahezubringen, sollten wir daran arbeiten, sie ihnen verständlich zu machen, und dazu ist ihre Muttersprache die erste Wahl.

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